Arbeiten im Haus Friedenshort - Interview mit Hausleiterin Monika Putzer

Veröffentlicht am Mittwoch, 28. Mai 2014 von Magdalena Schwarz.

Besuch im Haus Friedenshort, einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderung

Meine Kollegin Zsoka und ich haben letzte Woche das Haus Friedenshort besucht, ein Haus, in dem ca. 30 Menschen mit Behinderung, aufgeteilt in drei Wohngemeinschaften leben.
Dort haben wir mit der Hausleiterin, Monika Putzer gesprochen und erfahren welche Arbeit im Haus anfällt, welche Eigenschaften junge Freiwillige mitbringen sollten und warum es auch für das Haus gut ist, mit einer/einem jungen Freiwilligen zu arbeiten.

Was sind die Aufgaben von jungen Freiwilligen bei Ihnen im Haus?
Die Aufgabe ist vor allem: Mitarbeiten im Alltag. Unter der Woche ist der Tag ganz klar strukturiert: aufstehen, anziehen, Morgentoilette, Frühstück. Dann gehen die Bewohner arbeiten.
Unser Anspruch ist dass die Freiwilligen nicht nur als Begleiter dabei sind. Sie sollen alles auch einmal selbst machen: Freizeitbegleitung, Pflege, sie sollen wissen welche Medikamente die Menschen nehmen … auch wenn sie diese dann nicht selbst verabreichen dürfen. Im medizinischen Bereich gibt es natürlich Grenzen.
Dann gibt es noch Dinge wie auf Urlaub fahren, Ausflüge machen: Kino, Essen, Konzerte etc.
Aber sie sollen wirklich alles sehen. Im letzten Monat sind in kurzer Zeit zwei Menschen verstorben. Das zu erleben gehört auch zu dieser Arbeit. Und die jungen Menschen sollen ja auch wissen, was später auf sie zukommen, wenn sie später mal in diesem Bereich arbeiten wollen.

Warum ist es für Sie und für das Haus gut, mit jungen Freiwilligen zu arbeiten?
Es ist für ganz einfach eine Bereicherung. Viele der jungen Freiwilligen sind sehr jung, manche erst 16, und bringen einfach was ganz Neues hinein. Unser Team ist schon sehr lang stabil, manche Kollegen arbeiten schon seit 30 Jahren hier im Haus. Da ist es super, wenn junge interessierte Freiwillige kommen und auch mal was hinterfragen oder neue Ideen haben.

Wie werden die Freiwilligen von den BewohnerInnen angenommen?
Die freuen sich.  Unsere Männer und Frauen sind fast alle 50+ und freuen sich, wenn man neue Ideen hereinkommen, auch in der Freizeitgestaltung.

Ist es nicht auch ein Risiko, sich eine ungelernte Kraft zu holen?
Ja, sicher. Aber wenn es Schwierigkeiten gibt, dann müssen auch wir sagen: dieser Mensch hat sich für das soziale Jahr entschieden und wir müssen ihn begleiten so gut wir können. Lebenserfahrung weitergeben und einen Teil vom Leben mitbegleiten.

Welche Eigenschaften sollte ein junger Mensch mitbringen, der sich für ein freiwilliges Sozialjahr entscheidet?
Offenheit für ganz viel Neues, Wertschätzung im Umgang mit Menschen, Neugierde, Einfühlungsvermögen und sich einfach einzulassen auf Neues. Auch auf Verantwortungsbewusstsein schauen wir sehr stark. Wir übernehmen ja einige später als fixe Angestellte oder vermitteln sie weiter. Viele entscheiden nach diesem Jahr, dass sie weiterhin im sozialen Bereich arbeiten wollen. Die gehen dann weiter hier in die Schule (für Sozialbetreuungsberufe, Anm.), manche bleiben sogar geringfügig hier angestellt während ihrer Ausbildung.

Wichtig ist auch: es ist nicht nur Arbeit, es ist auch mit Schule verbunden. Manche interessiert nur die Arbeit, die wollen nicht auch noch Theorie lernen. Aber die Schule gibt gute Inputs, neue Ideen, die sie dann in der Praxis ausprobieren können. Oder sie beginnen mit der Schule zu hinterfragen: Warum werden gewisse Dinge hier so gemacht? Sollten wir das nicht auch anders probieren? Das ist auch für uns sehr wichtig.

Tätigkeitsbereich: 
Behindertenhilfe