Hinter den Kulissen: Besuch im Haus Abendfrieden

Veröffentlicht am Dienstag, 15. April 2014 von Magdalena Schwarz.

Im Haus Abendfrieden können Menschen in aller Ruhe alt sein. Wir gehen in die Wohngemeinschaft im Erdgeschoß, wo uns Frau Ausserwöger, Leiterin des Bereiches Wohnen, empfängt. Sie entschuldigt sich, dass sie ohne Schuhe herumgehe, aber sie habe Schmerzen in einer Zehe. Dabei wären uns ihre Socken gar nicht aufgefallen –hier ist es so heimelig und gemütlich, dass man sich gleich auf die nächste Couch legen möchte. Es riecht nach Mittagessen, das gerade in der Wohnküche gekocht wird, eine Pflegerin bügelt Bettwäsche, Frau Ausserwöger streicht sich ein Käsebrot.
Keine Großküche, keine externe Firma, die die Schmutzwäsche abholt und sauber wieder bringt. Hier ist alles wie in einem normalen Haushalt.

„Für die Freiwilligen soll die Arbeit wie ein Besuch bei der Oma sein. Man sitzt zusammen, erzählt sich was, bespricht wichtige Dinge des Lebens, bastelt zusammen… Natürlich geht es auch um Pflege und Hilfe. Aber das wichtigste ist, die Bewohner in ihrem Alltag zu begleiten“, so Frau Ausserwöger.
Alltag, das bedeutet im Haus Abendfrieden Essen richten, mit BewohnerInnen spazieren und einkaufen gehen, bei der Gartenarbeit helfen, gemeinsam basteln – aber auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Keller aufräumen.

Die jungen Freiwilligen werden von den BewohnerInnen sehr geschätzt. „Es ist wichtig, dass neue Geschichten von draußen hier hereinkommen und dass ein frischer Wind weht“, sagt Frau Ausserwöger, dann lacht Sie. „Manchmal sind die Bewohner richtig eifersüchtig, wenn die jungen Freiwilligen zu wenig Zeit mit ihnen verbringen.“
In diesem Fall ist Frau Ausserwöger gefragt: Sie ist für die Freiwilligen im Haus Abendfrieden verantwortlich, teilt ihre Zeit ein, spricht mit ihnen über die Arbeit, gibt ihnen Rückmeldung. „Es ist wichtig, dass die jungen Leute Feedback erhalten. Sie haben ja keine Ausbildung und können manche Dinge nicht wissen. Wenn ich also sehe, dass sie mit einer Situation nicht gut zurechtkommen, dann komme ich zur Hilfe, nehme sie in Schutz wenn es sein muss und erkläre ihnen hinter her, wie man es besser machen könnte. Natürlich muss man auch manchmal Kritik üben. Aber das machen wir hier wie in einer Familie: die Dinge werden angesprochen, ausdiskutiert und dann wird eine Vereinbarung für die Zukunft getroffen. Bisher hat das wunderbar funktioniert.“

Überhaupt spricht Frau Ausserwöger sehr positiv von jungen Freiwilligen. Es sei spannend, die Entwicklung zu beobachten, die junge Menschen hier durchlaufen. „Viele sind unsicher und etwas schüchtern, wenn sie kommen. Und nach einem Jahr sind sie dann nicht wieder zu erkennen. Alle gehen hier wieder weg mit mehr Selbstbewusstsein, Sicherheit – einfach reifer und erwachsener.“

Am Schluß führt uns Frau Ausserwöger noch durch das Haus. Sie stellt uns Frau Maria vor, die sich um das Hochbeet im Garten kümmert und uns gleich in die Arme nimmt. „Schön dass Sie da sind!“ sagt sie und widmet sich dann dem Gießen der Blumen. In der Küche macht sich Willi zu schaffen, ein weiterer freiwilliger Helfer, der seine Pension nützt, um sich hier für andere nützlich zu machen.
Zweimal in der Woche kommt er und hilft aus, wo es nötig ist, dafür bekommt er jedes Mal ein Mittagessen. Wie in einer Familie eben.

Bewohnerin des Haus Abendfrieden vor ihrem Hochbeet
Wohnzimmer im Haus Abendfrieden
Küche im Haus Abendfrieden
Willi, freiwillier Helfer im Haus Abendfrieden, mit Maria (Bewohnerin) in der Küche
Tätigkeitsbereich: 
Altenpflege